Bericht von Donnerstag, 29. Juli 1886 über die Einweihung eines neuen Stallgebäudes,

Wie in den Tagen der Arche Noah

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Unser „liebes Vieh“ hielt unter entsprechender Feierlichkeit seinen Einzug in das neue Stallgebäude. Wie sind die Mauern so fest, wie ist das Innere so geräumig und so hell und so luftig, kühl im Sommer und warm im Winter. Unsere Pferde, Ochsen, Kühe und Schweine –

wenn sie denken, fühlen und sprechen könnten – würden jauchzen: ‚Hier ist eine Lust zu leben im neuen Stalle‘. Aber das Rindvieh war recht störrig und unverständig. Nun, am Nachmittag ist das Gebäude seinem Gebrauch übergeben worden, nachdem wir es außen mit unserer Fahne und innen mit einer herabhängenden Krone von Halmen und Ähren, mit Kränzen und einigen mit schönen versen beschriebenen und mit Grün eingefaßten Kartons geschmückt. Dann war der lang herbeigewünschte Augenblick gekommen, da es zugehen sollte, wie in den Tagen der Arche Noah. Ein jedes Tier war zwar mit einem derben und massiven Kranz geschmückt, der Kranz aber hatte ihm keine Vernunft und keine festlich gehobene Stimmung beigebracht. Den Schluß des Einzuges bildete der Transport eines kleinen Schweines, das als Repräsentant der ganzen Schweinesippschaft figurierte. Auch ihm war ein Kranz um den Hals gethan. Als es aber in dem neuen Stall bei seinen Kameraden, die sich bereits dort wohnlich niedergelassen hatten, erschien, fielen die über das bekränzte Tierlein her und fraßen ihm den Kranz vom Halse ab. Nun war der Einzug vollendet und die Festversammlung rüstete sich zum Abmarsch. Dieser aber vollzog sich in einer der Feier des Tages würdigen Form in geordnetem Zuge – voran zwei Knaben mit Fahnen, dann mit dem Flötenbläser unsre kleinen Trommler, die Trommel schlagend, dann der Posaunenchor und hinter ihm die liebe Jugend und die ganze Anstaltsgemeinde.