Karl Palmer ,Direktor in Neuerkerode von 1880 bis 1905

Vom Wirken und Gestalten

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Was ich sagen würde, junger Mann, wenn ich auf meine Zeit als Direktor auf Neu-Erkerode zurückblick, junger Mann? Da muss ich nicht zögern und nach gewählten Worten ringen:

Es bedeutet schon ein besonderes Glück für einen Menschen, in so ein Werk wie Neu-Erkerode eintreten zu dürfen. Und dann mit eigenen Händen und Kopf dieses derart weiter zu gestalten, dass die dort lebenden ein gutes Leben führen können. Ich hatte dieses von Gustav Stutzer begonnene Werk in die Hand nehmen können und mit Gottes Hilfe weiter führen dürfen. Dazu nutzte ich im ökonomischen Bereich auch neue Technik, um dieses Werk zu einem Zeitgemäßen und modernen Refugium für die Menschen zu machen, die hier ihre Heimat fanden. Ich ließ eine Wasserleitung bauen, die die Brunnen ersetzte und große und Lichte Stallgebäude für unser liebes Vieh. Mehr und mehr Wohnhäuser konnten gebaut werden, so dass wir immer mehr Menschen hier aufnehmen konnten, die unter ihresgleichen die Förderung erfuhren, die sie benötigten. Es gelang ebenfalls, Werkstätten zu errichten, die den dort Beschäftigten zeigten, dass ihre Arbeit wertvoll und anerkannt war. Glück hat es für mich bedeutet, dass es nach langen Verhandlungen mit den Beamten des Herzoges gelang, in Neu-Erkerode zwei Schulhäuser, eines für die Knaben und das andere für die Mädchen bauen zu lassen. Unser Neuerkerode wurde so zum Schulzentrum für diese Menschen, die einer ganz besonderen Förderung und Zuneigung bedürfen, im ganzen Herzogtum. Neu-Erkerode bekam auch dadurch einen Namen weit über die Region von Braunschweig und Wolfenbüttel hinaus. Ganz wichtig war mir aber, junger Mann, das Jahr, das so von Arbeit und lernen erfüllt ist, mit vielen Festen zu bereichern. Da reicht ein Ostern, Pfingsten und Weihnachten nicht aus, in den Alltag viel Freude zu bringen. Ein Brunnenfest musste her, ein Schulfest, ein Kirschfest, ein Jahres- und ein Sommerfest, ein Oktoberfest. Das leben muss man feiern, junger Mann – das ist Glück.