Uwe Nolte ,Tischler und Lattenrostbauer

Vom Klieme-Schuppen und Maschinen

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„Damals war noch alles anders.“ Als dann der Direktor Klieme nach Neuerkerode kam, da bin ich hingegangen zu seinem Haus. Ich habe an der Wohnungstür geklingelt und gesagt:

Du, Herr Klieme, ich bin Uwe Nolte. Ich habe schon in Neuerkerode viel mehr erlebt, als Du, seit du als Direktor hier bist. Ich brauche einen Tischlerschuppen. Ich bin nämlich Tischler. Und dann hat mich der Klieme reingeholt in sein Wohnzimmer und hat mich so gefragt, was ich alles mache. Und er hat mir Kaffee gegeben und auch Kuchen. Der war richtig nett der Direktor Klieme. Der ist jetzt auch schon lange tot. Aber ich habe dann einen alten Schuppen gekriegt, da konnte ich dann tischlern. Klieme-Schuppen habe ich den genannt. In den ganzen Jahren habe ich viele Schuppen gehabt. Auch heute habe ich noch einen. Und ich habe ein Appartement. Das Alleinewohnenkönnen, das ist richtig gut. Mein Arbeitsplatz ist seit einiger Zeit in Wolfenbüttel. Da in der Lattenrostproduktion der Mehrwerk, da werden meine Tischlererfahrungen richtig gebraucht. Auch an den Maschinen. In meiner Mittagspause gehe ich über den großen Friedhof spazieren oder um den Stadtteich mit seinen vielen Trauerweiden und Enten herum. In die Stadt gehe ich nicht, das ist mir alles zu voll und zu laut und zu hektisch. Jedenfalls macht das Spaß hier in der Produktion zu arbeiten. Die Zeiten haben sich geändert. Früher habe ich für Mitarbeiter Möbel aufgearbeitet und restauriert, heute mache ich Lattenroste für Betten. So ändern sich die Zeiten. Ach ja. Aber man darf auch nicht immer auf Damals gucken, sondern man muss die Zukunft betrachten. Ich bin jetzt sechzig Jahre alt. In fünf Jahren gehe ich in Rente. Aber tischlern werde ich dann weiter in meinem Schuppen. Seit vierzig Jahren bin ich jetzt mit Annette zusammen, das ist meine Freundin, das ist wahres Glück.