Stephan Querfurth ,ist Beobachter der Zeit

Vom Glück, Menschen zu begegnen

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Was denn in den Jahrzehnten meiner Tätigkeit mein Glück mit Neuerkerode gewesen sei, das werde ich schon hin und wieder gefragt.

Als jemand, der gern in die Geschichte sieht, beziehe ich mich dann einmal auf die Grundbedeutung des Wortes Glück, das in seinem niederdeutschen mittelalterlichen Sprachgebrauch „gelucke“ die Bedeutung von „die Art und Weise, wie etwas gut ausgeht“ hatte.

In gut vier Jahrzehnten, in denen ich Neuerkerode als Mitarbeitender erfahren habe, konnte ich beobachten und lernen, dass Menschen auch Objekte politischer Bedingungen sind, manchmal ihnen sogar ausgeliefert sind. Keinesfalls also nur Produkte ihrer Sozialisation oder gar nur selbst Schmied ihres Glückes sind.

In diesem Sinne erlebe ich es als Glück, wie Menschen mit ihren Visionen immer wieder an diesem Ort Neuerkerode gearbeitet haben, und ihn für viele Menschen lebenswert gemacht haben.  Das war in der Gründungszeit so, in der Zeit um 1900, dann in den 80iger Jahren und das erleben wir auch heute wieder.

Glück in diesem Sinne ist es auch, Menschen und Gedanken zu begegnen, die sich nicht einem Mainstream hingeben. Sich nicht vereinnamen ließen.

Hochachtung allerdings habe ich vor den nicht wenigen Menschen, die teilweise siebzig Jahre oder gar achtzig Jahre in Neuerkerode gelebt haben. Oder bereits so lange hier leben. Das ist eine Lebensleistung, vor der man sich nur verbeugen kann. Denn nicht immer war es so gut wie heute. Die Zeiten haben sich geändert. Mein Glück ist also auch, solche Menschen zu treffen.