Neuerkerode,ein Dorf lebt die Vielfalt

Teilhabe und Vielfalt leben

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Ich bin ein inklusives Dorf. Das Dorf Neuerkerode. Rund 800 Menschen mit Behinderung leben in mir. Viele meiner Besucher sagen, ich sei ein besonderes Dorf. Nicht nur wegen seiner Bewohner,

sondern weil ich mir etwas erhalten habe, was vielen anderen Dörfern verlorengegangen ist: Eine ganz lebendige Infrastruktur. Meine Geschichte reicht nicht so weit in die Vergangenheit, wie die anderer Dörfer, aber ich habe in meinen 150 Jahren viele Entwicklungen begleitet und bin damit zu dem geworden, was ich heute bin. Klar, kann man die Zahnpasta, die gestern ganz neu in der TV-Werbung lief, mit ihrem Weißer als Weiß in den Supermärkten des Nachbardorfes Sickte heute schon kaufen. Man. Kann man. Wenn man kann. Wenn nicht…? Wenn man also auf Grund seiner Behinderung dort nicht hinkommt, dann bleibt erst einmal der Wunsch auf der Strecke. Denkt man. Stimmt aber nicht. Der Alltag bei mir im Dorf Neuerkerode ist so gestrickt, dass auch Menschen, die schwerer beeinträchtigt sind, teilhaben können, eben auch am alltäglichen Leben. Deswegen gibt es beispielsweise den Lebensmittelladen. Jeder kann in diesem Supermarkt einkaufen. Es gibt eben keinen Grund, jemanden nicht am Einkaufserleben teilhaben zu lassen. Die einen gehen also in den Supermarkt im Nachbardorf um die Zahnpasta der Werbung zu kaufen, die Anderen gehen in den Neuerkeröder Lebensmittelladen und kaufen dort ihre Zahnpasta.

Oder der Frisör. Natürlich haben einige Neuerkeröderinnen ihren Friseur in Wolfenbüttel oder Sickte. Aber es gibt auch viele andere Menschen in Neuerkerode, die nicht mit dem Bus fahren mögen – oder können. Sie ausgrenzen? Ihnen von einer Mitarbeiterin, einem Mitarbeiter die Haare schneiden lassen? Geht doch gar nicht. Die gehen dann in den Neuerkeröder Friseursalon. Oder der Blumenladen der Gärtnerei, in dem man dann auch viele Menschen aus den umliegenden Dörfern trifft, die man vielleicht schon vom Supermarkteinkauf oder Frisörbesuch her kennt. Oder der Kleiderladen. Oder das Dorfgemeinschaftshaus Biermankis oder der Trödelladen oder die Fahrradwerkstatt, oder der Waschsalon… Teilhabe, ist das Wort, das alles betrifft, nicht nur hier in Neuerkerode, überall am gesellschaftlichen Leben beanspruchen meine Bürger Teilhabe: In der Freizeit, der Arbeit, wenn es um das Wohnen geht, bei Fragen der Mobilität und der Bildung. Es hat sich so viel getan. Selbständigkeit ist heute der große Anspruch. Und Nachhaltigkeit. Neuerkerode, ich bin ein Dorf unter Dörfern. Allerdings – mit lebendiger Infrastruktur, inklusiv und barrierefrei.