Pastor Ludwig Beyer ,von 1915 bis 1941 Direktor in Neuerkerode

Große Liebe und unermüdliche Schaffensfreude

Inhalt vorlesen

Auf keinem Gebiete unseres Anstaltslebens kann von einem gewissen Abschluss die Rede sein, es befindet sich alles in einer fortwährenden Entwicklung, und das muss so sein, wir würden sonst in Gefahr geraten zu stagnieren.

Wenn wir überdenken, was im Laufe der ersten fünfzig Jahre für die Ärmsten der Armen in unserem Braunschweiger lande geschehen ist, so wird es nicht unbescheiden sein, wenn wir uns Wanderern vergleichen, die nach mühevoller Wanderung bergauf eine Höhe erreicht haben, von wo aus sie einen Rückblick werfen können auf den zurückgelegten Weg, aber vor ihnen, dass ich es hier gleich sage, liegen neue Höhen, die zu erklimmen sind.

Wie wunderbar führt doch unser Herrgott durch scheinbar belanglose Kleinigkeiten seine Menschenkinder oft an die Inangriffnahme neuer Aufgaben heran und macht ihnen diese Aufgaben zur Gewissenspflicht.

 

Dr. Berkhan, der hervorragende Mediziner und Sanitätsrat aus Braunschweig, der in den Anfangsstadien und auch später noch mehrere Jahrzehnte hindurch den Anstalten seinen sachverständigen Beistand lieh, schreibt in seinem Buche „Über den angeborenen und früh erworbenen Schwachsinn“: „Es hat mich stets mit Mitleid erfüllt, wenn ich eine junge Lehrerin sich abmühen sah, ein solches Schulkind vorwärtszubringen, oder endlich, wenn ich erlebte, dass ein Handlanger wegen seines Schwachsinns von Mitarbeitern verhöhnt oder gar misshandelt wurde…“ Diese einfachen Worte lassen einen Blick tun in das Herz dieses Mannes, und sein Eintreten für die Hilfsschulen bleibt ein dauerndes Verdienst über das Grab hinaus.

 

Wer einen Blick dafür hat, was alles dazu gehört, eine derartige Anstalt sozusagen aus dem Nichts zu schaffen, der wird zugestehen müssen, dass besondere Begabung, große Liebe zu den Schwachsinnigen und unermüdliche Schaffensfreudigkeit dazu gehören, um ein solches Werk ins Leben zu rufen.