Iris Veit,wie mein Sohn gerettet wurde

Ende einer Irrfahrt

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Im Januar 2014 musste mein Sohn Julian als Notfall in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Er hatte sich immer wieder selbst verletzt, schrie oft laut und schlief schlecht. Das war damals der Beginn einer jahrelangen medizinischen und therapeutischen Irrfahrt.

Mein Sohn Julian ist 23 Jahre alt. Julian ist Autist. Stellen Sie sich das bitte nicht wie in einem Hollywood-Blockbuster wie Rain Man vor. Autistische Menschen können Denken und Handeln häufig nicht miteinander verknüpfen und leiden selbst sehr darunter. Aus diesem Leiden heraus benehmen sich Autisten für die Umwelt befremdlich.

Mein Mann und ich konnten Julians Leid nach der Einweisung 2014 kaum noch ertragen. Egal welche Therapie - immer wieder kehrte Julian in alte Verhaltensmuster zurück. In einer Klinik wurden Julian  so viele Medikamente verabreicht, dass er nach 10 Tagen schwankend und an den Händen fixiert entlassen wurde. In einer anderen Klinik erhielt er letztendlich langfristig ein Medikament, das seine Körperabwehr stark schwächte. Ein Schnupfen hätte ihn umbringen können. Zum Glück kann ich das im Konjunktiv sagen. Denn durch die Zeitungerfuhren wir von dem Medizinischen Behandlungszentrum für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB) im Krankenhaus Marienstift. Das Medikament wurde dort sofort abgesetzt. Julian geht es inzwischen gut. Im MZEB nehmen sich Spezialisten aus verschiedenen Bereichen einfach Zeit für den Patienten. Es gibt keine Ablenkung, keine Reizüberflutung, keine Berührungsängste. Solche Zentren gibt es bislang kaum in Niedersachsen, weil die gesetzliche Grundlage dafür erst vor kurzem geschaffen und eine Versorgungslücke damit geschlossen wurde. Julian freut sich immer sehr auf die Termine im MZEB. Denn so spektakulär das jetzt auch klingt: Julian ist sicherlich bewusst, dass ihm das Team dort sein Leben gerettet hat.