Wolfgang Moritz,der Kämpfer

Alleine gehen

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Ich bin seit Anfang März in Bethanien. Das war zu Anfang schon gewöhnungsbedürftig. Es ist ein ganz anderer Lebensabschnitt, der da für mich begonnen hat. Man braucht schon ein bisschen, um sich an die Situation zu gewöhnen, um sich in der Umgebung wohl zu fühlen. Ein Vierteljahr ist zu kurz, aber ich glaube, ich bin auf einem guten Weg.

Vorher war ich im Krankenhaus. Von heute auf morgen Beinamputation und Rollstuhl. Ich hatte starke Durchblutungsstörungen, die ich nicht bemerkt habe. Dabei bin ich von Haus aus Sportler. Ich habe fast 40 Jahre lang Handball und Basketball gespielt. Und dann plötzlich geht das nicht mehr! Die Beinamputation war ein großer Schock für mich.

Und dann, als wäre das nicht schon genug, gab es noch persönliche Enttäuschungen im familiären Umfeld. Das alles muss ich erst einmal verdauen. Wissen Sie, manchmal kommt da schon die Traurigkeit. Sie kommt immer seltener, aber sie kommt. Dann sitze ich abends auf meinem Bett und weine.

Aber ich lenke mich ab, ich kämpfe! Ich bin viel im Haus hier in Bethanien unterwegs und nehme an Freizeitangeboten teil. Und wissen Sie was? Ich bekomme eine Prothese, damit ich wieder gehen kann. Das ist mein Ziel – auch vom Kopf her: Alleine gehen mit Prothese!